Illegaler Organhandel – Auch dich könnte es treffen

Etwa 9000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. Es ist ein stetiger Leidensweg der Ungewissheit mit der ständigen Frage: „Werde ich einen Spender finden?“. Ist erstmal ein passendes Organ gefunden, ist die Erleichterung groß, da sich für die Patienten ein neuer Lebensabschnitt voller Möglichkeiten öffnet. Jedoch kann so eine, auf den ersten Blick wunderbare Sache, ein grausames Opfer fordern: illegalen Handel der Organmafia, und somit auch Tote.
Du fragst dich nun sicherlich, wie diese illegalen Geschäfte ablaufen und wer davon betroffen ist. Und die Antwort ist, dass es jeden treffen kann, selbst dich. Der Handel von Organen ist überall verbreitet jedoch gibt es in diesem Milieu auch Brennpunkte. China, Indien, die Philippinen und andere vor allem arme Länder gelten als Hochburgen, da dort das Verbot des Organhandels nicht konsequent durchgesetzt wird, und es die Täter leichter haben, nicht erwischt zu werden.
Aufgrund dieser nicht ausreichenden Strafverfolgung reisen Patienten aus reichen Ländern, in denen es wenige freiwillige Spender und eine gute polizeiliche Kontrolle gibt, in arme Länder. Um mit einer Vermittlungsorganisation in Kontakt zu treten, ist laut der Weltgesundheitsorganisation oft nur eine Internetrecherche nötig. Auf wurden beispielsweise für 85.0000 Dollar Nieren auf den Philippinen angeboten.
Doch von wem stammen die Organe auf solchen dubiosen Websiten? Eine besonders perfide Strategie der illegalen Organhändler ist es, die Opfer im Vorfeld gar nicht über die Entnahme zu informieren. So werden Behinderten, Obdachlosen, armen Menschen, Analphabeten oder (illegalen) Migranten vorgespielt, dass sie auf Grund einer anderen Krankheit behandelt werden müssen, um anschließend die Organe ohne das Wissen des Opfers zu entnehmen.
Eine weitere Art ist es, armen und bedürftigen Menschen gnadenlos anzubieten, ihre Organe -sehr oft sind es die Nieren- zu verkaufen. Oft haben die Opfer gar keine Möglichkeit nein zu sagen, da sie am Rande ihrer Existenz leben. So bekommen etwa Bewohner eines indischen Slums circa 30.000 Rupien für eine Niere, das sind umgerechnet nur ungefähr 500 Euro. Diese Niere wird dann wiederum für 14.000 – 70.000 Dollar weiterverkauft.

Jedoch ist die mit Abstand grausamste Methode die unfreiwillige Organentnahme, sie kann sogar auch dich treffen. So wurde ein kleiner sechsjähriger chinesischer Jungen in seinem Heimatdorf während er auf Straße spielte entführt. Er verlor das Bewusstsein, erst Stunden später fanden ihn seine Eltern schreiend auf einem Feld, ohne Augäpfel. Sein Leben konnte gerettet werden, jedoch wird der Junge für immer blind sein. Unweit des Feldes auf dem er gefunden wurde, entdeckten die Ermittler seine Augäpfel, ohne die Hornhaut. Die vermutlichen Organräuber hatten es wohl auf diesen bei Spendebedürftigen sehr gefragten Teil des Auges abgesehen.
Es gibt viele weitere Opfer eines so grausamen Verbrechens, etwa Flüchtlinge in der Sinai Wüste oder in Malaysia.
Hinter der ganzen Sache steckt ein gewaltiges, noch großteils unerforschtes Netzwerk. Und die Menschen, die am meisten darunter leiden, sind oftmals diejenigen, die selbst kaum etwas zum Leben haben, und so auf die letzte Möglichkeit, ihren eigenen Körper, zurückgreifen müssen und diesen verstümmeln lassen.

Text: Nastasja Derra
Bild: Nastasja Derra