Gender-Pay-Gap – Wo bleibt die Gleichberechtigung?!

Stell dir vor, Alexander erhält 20€ für einen Ferienjob, aber Marie nur 16€, obwohl sie genau den gleichen Job ausübt, genauso qualifiziert ist und genauso lange arbeitet wie er. Unfair, oder? Das traurige: In Deutschland ist das auch so. Oder zumindest so ähnlich. 

Eine Frau verdient hier im Durchschnitt bei gleichem Job, mit gleicher Qualifizierung und mit gleicher Arbeitszeit rund 6% weniger als ihre männlichen Kollegen laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom Dezember letzten Jahres. Total ungerecht, oder? Nur weil man eine Frau ist, verdient man weniger – und das in Deutschland im Jahre 2020. Gleichberechtigung, who?

 

Vom Gender-Pay-Gap …

Wie viel nun genau ein Mann mehr als seine weiblichen Kolleginnen verdient, das zeigt der sogenannte Gender-Pay-Gap. Befasst man sich mit diesem, so wird man besonders auf zwei Zahlen häufig stoßen: 20% und 6%, und beide Zahlen geben den (die oder das laut Duden auch möglich) Gender-Pay-Gap an. Was hat es damit also auf sich? Der Unterschied liegt in der Definition. Die 20% gehören zum unbereinigten Gender-Pay-Gap, er gibt den Unterschied des durchschnittlichen Lohns einer Frau in Deutschland zu dem eines Mannes an. Hier spielt es also auch eine Rolle, ob mehr Frauen als Männer schlecht bezahlte Jobs ausüben. Wichtig zu beachten ist hier, dass der durchschnittliche Unterschied der Bruttostundenlöhne unabhängig von verschiedener Berufswahl betrachtet wird. Wenn es nun also schlicht und einfach so ist, dass viel mehr Männer besser bezahlte Jobs ausüben, dann zählt das hier genauso mit rein. Macht die Sache aber ja auch nicht besser.

Dagegen zeigt der sogenannte bereinigte Gender-Pay-Gap, wie viel Frauen unter gleichen Umständen (also gleicher Job, Qualifizierung, Arbeitszeit, etc.) weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Und die Tatsache, dass es diesen bereinigten Gender-Pay-Gap überhaupt gibt, ist doch schon ziemlich erschreckend, oder? 

 

Sind Frauen daran selbst schuld? – Auf der Suche nach dem Grund …

Aber woran liegt das nun? Ebenfalls in der oben zitierten Pressemitteilung gab das Statistische Bundesamt an, dass rund 71% des Verdienstunterschieds strukturbedingt seien. Frauen arbeiten nämlich in unter anderem schlechter bezahlten Branchen und Berufen und sind immer noch in Führungspositionen, besonders in Spitzenpositionen, unterrepräsentiert. Bedeutet das nun also, dass wir eine Frauenquote brauchen? Eine Grafik des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt jedenfalls bisher positive Auswirkungen seit der Einführung der verbindlichen Frauenquote: Betrug der Frauenanteil in Führungspositionen 2015 21,9%, so stieg er nach Einführung der verbindlichen Quote auf 35,2%.

 

In Deutschland klafft eine große Rentenlücke zwischen den Geschlechtern

Aber nicht nur während, sondern auch nach der Arbeit, in der Rente, bekommen Frauen im Schnitt viel weniger Geld als Männer. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2017 ergab zum Beispiel, dass Männer zum Zeitpunkt der Befragung einen durchschnittlichen Rentenanspruch von 911 Euro, Frauen einen von nur 636 Euro erworben hatten.

 

Für uns Mädchen also bisher noch schlechte Aussichten: Auch mit gutem Abschluss bleiben die männlichen Mitbewerber und Kollegen in den meisten Fällen privilegiert und haben bessere Chancen, was Karriere und Gehalt angeht.  Bis wir also in Deutschland behaupten können, Frauen und Männer wären gleichberechtigt, wird noch eine Weile vergehen, denn dazu müsste sich, was Gender-Pay-Gap angeht, einiges verändern – und das passiert nicht von heute auf morgen. Lasst uns also darüber sprechen und dazu beitragen, dass sich daran etwas ändert!

 

Verfasst von Antonia Reul

Titelbild: Julian Hofmann

 

Quellen

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/12/PD20_484_621.html

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Entwicklung_der_Altersarmut_bis_2036.pdf 

https://www.bmfsfj.de/quote/ 

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